Demon & Angel

Dunkle Gesänge ertönten, als die letzte Wolke den Mond freigab. Dämonen, gefallene Engel, tanzten um das Feuer, das schwarz und unheilvoll brannte. Ihre schwarzen Gewänder flatterten im Wind, wie die brennenden Bänder, die an Speere gebunden worden waren. Einer der Dämonen kreischte auf, als man ihm das glühende Eisen in die Haut rammte. Auf seiner Brust erschien das Zeichen; das Zeichen des Hasses, des Todes und des Blutes, welches nun über seine Brust lief. Sariel starrte wie gebannt auf das brennende Fleisch, auf das dickflüssige Blut und auf die schwarzen Flammen. Er konnte seine Augen nicht von davon abwenden, so sehr er sich auch bemühte, er stand im Bann der Gewalt. Wie in Ekstase schrieen die Dämonen auf, während sich ihr Bruder vor Schmerzen auf dem Boden wand. Sariel atmete die Luft ein, die so sehr nach Erlösung schrie, warf den Kopf in den Nacken und jaulte. Seine schwarze glatte Haut schimmerte im Licht der Flammen und sein weißes Gesicht wirkte silbern beim schein des Mondes. Die vollen Haare glichen Schlangen und die Ohren waren spitz und lang. Ebenso wie seine Augen, die schwarz leuchteten. Sein Gesicht, in dessen Mitte die spitz zulaufende Nase lag, war schmal. Über dem, in er Spitze endenden Kinn, lag der dünne Mund, an dessen Lippen noch Blut klebte.

Während er jaulend den Mond betrachtete, fragte er sich, was er eigentlich da tat. War es das, was er wollte? War es sein Schicksal ein Dämon zu sein? Nein, gab er sich selbst die Antwort. Doch es gab nichts, dass er ändern konnte. Er war nun mal ein Dämon, er war ein Monster, nichts weiter als ein blutrünstiges abartiges Monster.

Marie starrte auf den Bildschirm des Fernsehers, doch eigentlich bekam sie gar nichts mit. Die Dunkelheit hinter dem Fenster spiegelte ihre Gestalt; ihre braunen struppigen Haare, ihre unreine Haut und ihren kleinen stämmigen Körper. Marie war alles andere als schön und das wusste sie genau. Der Nachmittag kam ihr wieder in den Sinn, dieser schreckliche demütigende Nachmittag, der leider nur einer von vielen war.

„Hey, Pickelfresse!“, brüllte Linus hinter ihr her. Marie drehte sich nicht um. Schon seit der neunten Klasse nannte er sie so und allmählich hatte sie sich damit abgefunden. Normalerweise verlor er schnell die Lust daran sie zu piesacken, doch offenbar war er heute in guter Stimmung. „Willst du nicht deinen dicken Wabbelarsch zu uns bewegen?“, keifte er und seine Kumpels brachen in tönendes Lachen aus. Marie spürte, wie ihr die Tränen in die Augen traten und wie der Kloß in ihrem Hals wieder wuchs. Die Mauer, die sie in all den Jahren mühsam errichtet hatte, hielt den größten Schmerz von ihr ab, aber es gab immer ein kleines Loch, das die Beleidigungen zu ihr durchließ.

Wütend über sich selbst schüttelte Marie den Kopf. Sie wollte nicht mehr an den Nachmittag denken, oder daran, dass sie noch ein Jahr in dieser Schule aushalten musste. Ein Jahr war im vergleich zu dreien nicht so viel. Außerdem wurde die Mauer von mal zu mal dicker und stabiler. Marie musste unwillkürlich an ihrem Mutter denken, die irgendwann gefühlskalt und leer geworden war, nachdem Maries Vater die beiden verlassen hatte um mit einer anderen Frau zu leben. Letztes Jahr war er wieder in Maries Heimatstadt zurückgekehrt, doch auch wenn sie wusste, dass sie ihn besuchen konnte, blieb die Gewissheit, dass er nie für sie da war. Er hatte ihr damals nicht nur ihren Vater genommen, nein, auch ihre Mutter war damals verschwunden. Schon immer hatte sie Angst davor gehabt eben so gefühlskalt zu werden wie sie, so leer wie eine laue Sommernacht ohne Sterne.

Wütend schmiss sie ein Kissen auf den Fernseher, auf dem nun eine hübsche blonde Frau zu sehen war, der Liebesschwüre von einem attraktiven schwarzhaarigem Mann ins Ohr gesäuselt wurden. Das Bild verschwand und statt der Liebesschwüre beherrschte nun die Stille den kleinen Raum. „Das ist nicht fair!“, hauchte Marie mit erstickter Stimme. Als sie ihr Gesicht im Kissen vergrub, fiel ihr auf, dass Tränen über ihre Wangen liefen, was sie noch wütender machte Hatte sie sich nicht einst geschworen nicht mehr zu weinen?

Plötzlich überkam sie unglaubliche Müdigkeit. Ihr eigenes Schluchzen begleitete sie in den Schlaf und hinüber in einen merkwürdigen Traum.

Noch immer starrte Sariel den Mond an, dann hörte er es. Es kam, das neue Opfer. Sariel sah zu den Flammen, die mit einem zischen verschwanden und an ihre Stelle trat nun ein junges Mädchen. Sie war vollkommen entkleidet, ihre Haut war sahnig weich und so rein. Ihre langen braunen Haare, wallten um ihren zarten Körper. Doch das alles war nichts im Vergleich zu ihren großen weißen Augen. Man sah keine Iris, nur die Pupille, die sich golden abhob.

Es dauerte nicht lange, dann kamen auch schon die anderen. Heute waren es viele, jedenfalls genug um alle satt zu kriegen. Sie alle sahen gesund aus, mit gutem Blut, doch Sariel hatte nur Augen für das Mädchen. Weder schien sie verwirrt, noch verängstig, sie war eher neugierig. Was für ein armseliges Ding, dachte Sariel, während er sich durch die Menge der Dämonen kämpfte um zu den Leuten, dem Essen, zu gelangen. „Brüder und Schwester! Hört mich an!“, rief er und breitete die Arme aus. In seinem Rücken spürte er die verängstigen Blick der Menschen. Unbeirrt fuhr er fort: „Seht, was das Feuer uns schickte!“ Er trat zur Seite, damit den Dämonen der blick auf ihr „Essen“ freiwurde. Sie alle sehen hungrig aus, begierig und darauf wartend endlich ihre Zähne in das Fleisch der Menschen hinter Sariel zu schlagen. Eigentlich wollte er nun noch etwas sagen, doch als er eine Stimme hinter sich hörte, waren die Worte weg. „Es ist nur ein Albtraum. Hab keine Angst. Gleich wachen wir alle auf.“ Sariel drehte sich um. Das Mädchen, das als erstes gekommen war, hatte die Hand auf die Schulter eines kleinen Jungen gelegt, der weinte. „Gleich bist du zu Hause.“, hauchte sie erneut. Ihre Stimme betörte Sariel. Noch nie hatte er etwas Vergleichbares gehört, noch nie etwas Schöneres gesehen, als dieses Geschöpf. Als das Mädchen in die Knie ging um den Junge zu umarmen, der noch immer schluchzte, schienen ihr goldene Flügel zu wachsen, die die anderen Menschen offenbar nicht sehen konnte; nur Sariel sah sie. Erkannte auch nur er, dass dieses Mädchen nicht sterben durfte? In all den Jahren, in denen er Dämon gewesen war, hatte er sich nie darüber Gedanken gemacht, was aus den Menschen wurde, die sie aussaugten, doch jetzt kam es ihm falsch vor. Jedenfalls war es falsch dieses Mädchen zu töten, diesen Engel. Ohne weiter darüber nach zu denken, rannte er auf das Mädchen zu und ergriff ihre Hand. „Lasst das Fest beginnen!“, brüllte er noch über die Schulter, dann rannte er mit dem braunhaarigen Mädchen in den Wald. Marie ließ sich mitziehen. Sie war fasziniert von diesem Geschöpf. Diesem wunderschönen, reinen Geschöpf. Seine Hand war so warm und weich… beschützend.

Als die beiden nicht mehr vom Mondlicht berührt wurden, änderte sich ihr Aussehen. Maries Haut wurde wieder unrein, ihre Haare wieder kraus, und ihre Augen nahmen wieder den gewohnten braunen Ton an in dessen Mitte die Schwarze Pupille lag. Sariels Körper verwandelte sich ebenfalls. Er wurde menschlich, er wurde zu dem Mann, der er einst gewesen war. Seine blonden Haare überdeckten die normal geformten Ohren, fielen in Strähnen hinab in seine klaren blauen Augen. Die Kiefermuskeln verhärteten sich und seine ganze Gestalt wurde kantig. Sariels Haut wurde wieder blass, fast milchigweiß, sodass er Marie an einen Vampir erinnerte.

„Wer bist du?“, brachte Marie hervor. Sariel sah sie an und stellte fest, dass auch sie sich verändert hatte, doch es störte ihn nicht, sie war noch immer wunderschön in seinen Augen, denn er sah die Flügel, die aus ihrem Rücken wuchsen. „Ich bin Sariel.“, hauchte er mit samtweicher Stimme. Wütend schüttelte er den Kopf. Was tat er da? Er sollte sie aussaugen, sollte ihr Blut trinken, doch stattdessen redete er mit ihr. Stattdessen, begann er sich in sie … Er beendete den Gedanken mit einem Nicken. „Was ist hier los? Träume ich nicht?“, fragte Marie verwundert. Sie starrte auf ihren Arm, von dem Blut tropfte. Gierig griff er nach ihrem Arm und leckte das Blut ab. Es schmeckte besser, als alles, was er je getrunken hatte. Sein Instinkt wollte ihn dazu antreiben sie zu schmecken, ihre Angst zu fühlen, doch etwas anderes hielt ihn davon ab, etwas, das stärker war. Sein Herz?

„Du musst hier weg.“, murmelte er eher zu sich als zu Marie. „Wo bin ich denn überhaupt?“, wollte sie wissen, doch da zog Sariel sie schon mit sich- immer weiter in den Wald. Und dann hörte sie er das, wovor es ihn gegraust hatte, seit er nach ihrer Hand gegriffen hatte. Er hörte ihre wütenden Stimmen hinter sich. Sie wollten sie; sie wollten ihr Blut. Sariel rannte schneller, er hatte Angst, keine Angst ums ich, er hatte Angst um sie. Plötzlich riss Marie sich los. „Ich will Antworten auf meine Fragen!“, brüllte sie. „Wer bist du? Warum tust du das?“ „Weil ich nicht will, dass du stirbst, ist dass denn so schwer zu verstehen?“ „Aber eigentlich gierst du nach meinem Blut. Ich habe dein Gesichtsausdruck gesehen, als du mir das Blut vom Arm geleckt hast. Du willst es. Warum rettest du mich dann? Warum saugst du mich dann nicht einfach jetzt aus?“ Sariel sah zu Boden und es war die Wahrheit als er sagte: Weil ich es nicht ertragen könnte. Ich könnte nicht mit ansehen, wie du stirbst, wie du leidest, so wie alle meine Opfer gelitten haben.“ „Aber ihnen macht es offenbar nichts aus.“, stellte sie trocken fest und deutete in die Richtung, aus der noch immer die Rufe kamen. „bist du denn keiner von ihnen?“ Sariel überlegte nicht. „Nein.“, antwortete er. „Jetzt nicht mehr“ Und sie beide wussten, dass es stimmte.

Ohne noch ein weiteres Wort zu sagen, rannte sie weiter. Marie konnte nicht sagen warum, aber sie vertraute ihm. Immer tiefer führte Sariel sie in den Wald. Irgendwann gab es keine Fackeln mehr, die den Weg vor ihnen beleuchteten und Marie vermutete, dass auch der Weg längst aufgehört hatte. Sie sah nichts in der Dunkelheit außer Sariels schimmernder Haut. Sobald mondlicht durch die seltenen Lücken des Blätterdaches fiel, verwandelten sich die beiden in das, was sie wirklich waren; einen Dämonen und einen Engel.

In einem seltsamen, wortlosen Einverständnis hielten sie beiden plötzlich an. Atemlos lauschten sie in die Nacht und hörten nichts außer ihrer klopfenden Herzen.

„Sind sie weg?“, fragte Marie. „Sie werden nie weg sein. Wenn ich es nicht schaffe, dich zurück zu bringen, werden sie uns jagen, solange, bis wir beide tot sind.“ „Wie habt ihr es geschafft, mich hierher zu holen?“ „Ich weiß es nicht. Als ich kam, brachte uns immer das Feuer die Menschen.“ „Magisches Feuer?“, Marie klang zweifelnd. Sariel verbesserte sie: „Dämonisches Feuer.“ „gibt es jemanden, der uns helfen könnte?“ Sariel zögerte einen Moment, bevor er antwortete: „Es gibt da jemanden, aber er ist nicht gut auf mich zu sprechen.“ „Egal!“, rief Marie aus, denn sie hörte erneut die Rufe. „Versuchen wir es.“

Die Hütte war nur spärlich beleuchtet, als die beiden sich vorsichtig zu ihr hin tasteten. Sariel klopfte drei Mal und dann warteten sie. Als keiner öffnete, klopfte Sariel erneut und rief: „Xearus! Xearus, du Dämon! Mach auf, ich weiß, dass du da bist!“ Die Tür öffnete sich einen Spalt breit und ein abgemagertes Gesicht erschien. „Ach Sariel, du bist es“, krächzte eine Stimme und das Skelett mit Haut und Haaren ließ sie ein, Marie schätzte, dass Xearus einst gut aus gesehen hatte, mit schwarzem haar, und olivenfarbener Haut, doch jetzt war er eher blass und scheintot, sie wunderte sich, dass er noch lebte und dass er überhaupt noch laufen konnte. „Was willst du, Kleiner?“, fragte er Sariel. Als Marie sich umsah erschrak sie so sehr, dass sie sich an sariels Arm klammerte. Überall lagen, standen und hingen Mordwerkzeuge: Messer, Schwerter, Äxte, Seile, Pfeile, Nägel, ein Scheiterhaufen, der schon abgebrannt war, mehrere Dolche an denen Blut klebte und eine große Schüssel Wasser, in der ebenfalls Blut untergemischt war. Sariel ignorierte sie, ebenso wie Xearus, als er sagte: „Ich brauche deine Hilfe.“ „Da hacke ich mir doch lieber den kopf ab… das ist es, ich hacke mir den Kopf ab.“ Marie und Sariel sahen zu, wie er in Windeseile einen Galgen errichtete und sich hinlegte. „Hast du etwas vergessen, dass ich dir das Leben gerettet habe?“, fragte Sariel ohne große Hoffnung Xearus zu überzeugen. „Nein.“, antwortete dieser. „Aber hast du mich nicht auch unsterblich gemacht? Und wie du unschwer erkennen kannst, versuche ich gerade mich umzubringen.“ Plötzlich fiel Marie etwas ein. Sie bezweifelte zwar, dass es funktionieren würde, aber sie versuchte es trotzdem. 2Ich könnte dich töten.“, sagte sie. Xearus und Sariel starrten sie an. „Ich bin ein Engel, wie du sagst. Also sollte ich auch dazu in der Lage sein, dich zu töten.“ Es war das erste Mal, dass Xearus Marie wirklich ansah, dann grinste er. „die Kleine hat Recht. Versuch es!“ Xearus reichte ihr einen Dolch. Zögernd griff sie danach, doch dann rammte sie die Klinge in Xearus Bein. Der Dämon schrie auf, dann lachte er. Er jubelte: 2ich spüre Schmerzen! Sariel, sie kann es, ich spüre Schmerzen!“ Sariel wusste nicht, ob er lächeln sollte. Er hatte Xearus immer gemocht, ihm sogar damals das Leben gerettet, auch wenn er schon damals gewusst hatte, wie schwer es für Xearus sein würde unsterblich zu sein. Doch nun, da Xearus Tod so greifbar war, verwirrten ihn seine Gefühle. Er wollte seinen wahrscheinlich einzigen Freund nicht verlieren, doch er wusste, dass er es so wollte. Xearus lebte schon seit Jahren nicht mehr, er aß nicht mehr und ihm fiel jeden Tag eine andere Art ein zu sterben. Als ihm klar wurde, was er wollte, nickte er. Xearus sollte die Möglichkeit haben zu sterben. „Tu es!“, sagte Sariel zu Marie. Vielleicht ein bisschen zu kalt, denn sie trat einen Schritt von ihm zurück. Schneller als ihm klar wurde, dass er sie mit seiner Kälte verletzt hatte, murmelte er: „tut mir Leid.“ Marie rang sich ein halbherziges Lächeln ab, aber sie hielt sich noch immer von ihm fern, was ihn mit einer seltsamen Traurigkeit erfüllte. Er hatte sie vor einer Viertelstunde zum ersten Mal gesehen, er kannte noch nicht einmal ihren richtigen Namen, doch schon glaubte er sie ewig zu kennen. Marie war ihm so vertraut, wie niemand sonst in dieser schwarzen Welt. Als hätte sie Sariels Traurigkeit gefühlt, rückte Marie wieder näher an ihn. Fast hätten sich ihre Hände berührt; fast.

„ich weiß es nicht.“, sagte Xearus und riss Marie und Sariel aus ihren Gedanken. „Ich kann euch nicht helfen.“ Sariel sah ihn fragend an. „Du willst sie doch zurückschicken, oder? Und am Besten wäre es, wenn du sie begleiten könntest. Ist es nicht so, Sariel?“ Marie lief rot an, bei dem Gedanken, er könnte sich wünschen bei ihr zu sein, sie zu begleiten in ihre Welt. So ein vollkommenes Wesen konnte einfach nicht das Verlangen nach ihrer Gegenwart verspüren. Das widersprach allem, was sie in den paar Jahren ihres Lebens gelernt hatte. Und dann als wolle er ihr das Gegenteil davon beweisen, griff Sariel nach Maries Hand.

„Es tut mir wirklich Lied, Sariel, aber es gibt keinen Weg zurück. Als ich hier ankam, als ich zum Dämon wurde, habe ich es auch versucht, aber es geht nicht. Es gibt einfach keinen Weg zurück.“ Leicht angewidert starrte Xearus auf ihre ineinander verschlungen Hände. Marie war selbst verwundert von der überwältigenden Kraft ihrer Gefühle. Nach einer  Zeit in der bedrückendes Schweigen die Hütte beherrscht hatte, sagte Xearus: „Es gibt da so eine Geschichte dieser Welt, später sollte sie Dämonen davon abhalten ihren Opfern zu helfen. Ich weiß nicht, ob sie euch helfen kann, aber wenn du sie hören willst…“ Betreten nickte Sariel. Xearus war seine letzte und auch einzige Hoffnung gewesen. „vor vielen Jahren gab es einen Dämon, man streitet sich über den Namen; manche sagen, er hieß Balthasar, andere Bonifatius, es soll sogar einige geben, die ihn Tarus nennen, doch ich kannte ihn. Er hieß wie du. Sein Name war Sariel.“ Bedeutungsvoll sah Xearus seinen jungen Freund an. „Er war ein Priester, ein hoher Dämon, doch dann verliebte er sich. Sie war nicht besonders hübsch, auch nicht besonders klug, ich kann dir nicht sagen, was er an ihr fand, doch er liebte sie. Und er starb für sie. Es heißt sein Opfer brachte sie zurück. Sariel musste starben, damit sie leben konnte.“ Xearus endete und starrte Marie wütend ab, als wäre es ihre Schuld, dass sein Freund damals gestorben war.

„Dann werde ich sterben.“, Sariel sagte es, noch bevor Marie auch nur daran denken konnte, zu widersprechen. Ihr erster Gedanke war gewesen, dass er sagen würde, eher würde er sie sterben lasse, als das er sein eigenes Leben ließ. „Das wirst du nicht!“, sagte Xearus scharf. „Du kennst sie doch gar nicht. Was weißt du denn schon von ihr?“ Sariel überlegte nicht und es war nicht sein Körper, der antwortete, sondern das, was ihn davon abhielt sie zu töten. „Ich weiß, dass ich sie liebe, ist das denn nicht genug?“ Xearus wandte sich ab, bei dem Gedanken an Liebe. Dann lachte er. „Vielleicht treffen wir uns ja in der Hölle.“ Jetzt mischte sich Marie ein: „Du wirst nicht sterben, Sariel. Ich lasse es nicht zu!“ „Vielleicht hat Xearus Recht, vielleicht kenne ich dich nicht, aber ich weiß, dass du nicht sterben darfst. Du hast es verdient zu leben und die Welt hat es verdient von dir verbessert zu werden.“ „Dann lass sie uns gemeinsam verbessern, Sariel!“ „Du hast gehört, was Xearus gesagt hat, einer von uns muss sterben.“ „Dann werden wir gemeinsam sterben! Du kannst mich nicht leiden sehen und ich dich nicht, so leiden wir gemeinsam!“ Marie griff nach dem Messer, das neben ihr auf dem Tisch lag. „Komm her, Xearus!“ „Marie, was hast du vor?“ Sariels Stimme klang erschrocken, fast ängstlich. „Ich werde ihm seinen Wunsch erfüllen!“, hauchte sie, kniff die Augen zusammen und stach zu. „Ich danke dir, Engel!“, waren Xearus´ letzte Worte, bevor er zu Boden ging und starb. „Er wollte es, es musste sein, ich hatte keine andere Wahl…“, immer wieder stammelte Marie das vor sich hin, bis Sariel sie zu sich zog. Es war ein Orkan von Gefühlen in ihr. Er umarmte sie, doch sie hatte getötet, dies stand im völligen Widerspruch zu ihrer Moral. Sie war eine Mörderin, doch war es strafbar, wenn man einen Dämon tötete. War dies wirklich kein Traum? Nein, sagte sie sich. Dieser Mann, dieser Dämon, fühlte sich echt an, der sie umklammert hielt. Sie lächelte leicht. „Du zerquetscht meinen Brustkorb.“, hauchte sie und er ließ sie sofort los. „Das tut mir Leid. Ich weiß noch immer nicht, wie stark ich bin, ich kann mit meiner Kraft noch nicht so ganz umgehen. Es ist noch so neu für mich, selbst nach bereits Hunderten von Jahren, die ich nun schon Dämon bin.“ Und dann stellte sie die Frage, die sie die ganze Zeit hatte stellen wollen: „Wie bist du eigentlich zum Dämon geworden?“ Sariel antwortete nach einem Zögern: „Ich habe gemordet. Ich habe meinen besten Freund getötet.“ Marie wich zurück. Hatte er das wirklich gesagt? „Es ist wahr. Einst war ich ein Mensch, ein Mensch wie du, doch dann kam er und ich mochte ihn wirklich. Er war für mich wie ein Bruder. Ich konnte nicht anders. Er hat mich verraten, er wollte meine Schwester töten. Und ich tötete ihn, um sie zu retten!“ „Und wie kam es dann, dass du in diese Welt gelangt bist.“ „Daraufhin plagten mich Schuldgefühle, die mich nicht mehr losließen. Ich beging Selbstmord und kam in diese Welt. Dies, Marie, ist die Hölle, von der eure Priester erzählen.“ „Warum bin ich dann nicht zu einem Dämon geworden, immerhin habe ich Xearus getötet.“ „Er wollte es. Es war sein erklärter Wille zu sterben, du hast ihm nur einen Gefallen getan, hast ihn von großen Schmerzen befreit.“ Dann tat Marie etwas, über das sie nicht nach dachte, das sie einfach so tat, weil sie glaubte. Weil sie an ein gutes Ende glaubte, weil sie an ihn glaubte… Sie zog das Messer aus Xearus Brust und stieß es so kräftig und tief wie möglich in ihre eigene. Als sie zusammen brach, fing Sariel sie auf, er weinte, er schrie vor Schmerz, als steckte das Messer in der seinen Brust. Doch so sehr er auch flehte, sie blieb tot. Tot, wie Xearus es war, tot, wie sein ehemals bester Freund es war. Und in dem Moment begriff Sariel, dass es nicht unrecht gewesen war, was er getan hatte. Er hatte einen Menschen getötet, aber er hatte es für seine Schwester getan. Es war nicht seine Schuld gewesen. Er war kein Mörder, er war kein Dämon. In dem Moment, in dem er das begriff, verschwand die Welt um sich her. Die Hütte löste sich auf in grauen Rauch, ebenso wie die Dämonen, die hineinstürmten um ihn zu töten, um sich ihr Futter zu holen; Marie. Er griff nach ihrer Hand und nahm sie mit sich, mit sich in die andere Welt.

Als Marie aufwachte, dachte sie, es wäre ein Traum gewesen, ein schöner, sehr sehr schöner Albtraum. Doch dann sah sie die Narbe auf ihrer Brust. Irgendwo, das wusste sie, war er. Er hatte es geschafft, er lebte, ebenso wie sie. Und noch etwas, er war kein Dämon mehr.

Am nächsten Morgen traf sie vor der Schule Linus, der sie schon erwartete. „Hallo, Täubchen, oder soll ich eher sagen: Hallo, fette Gans?“ Marie lächelte matt. Dann holte sie zum Schlag aus. „Halt deine dumme Fresse, Arschloch!“, hauchte sie, während Linus zu Boden ging. „Will noch jemand meine Faust spüren?“, fragte sie seine Freunde, die nun zurückwichen, als sie sahen, dass ihr Anführer sich auf dem Boden krümmte. „Rühr mich bloß nie wieder an!“, brüllte sie ihm entgegen. „Sonst bringe ich dich um.“ Sie wandte sich von den Jungen ab, um das Schulgebäude zu betreten, als sie ihn sah. Einen Jungen mit blondem Haar, das ihm ins feixende Gesicht fiel. Einen Jungen, mit klaren, hellblauen Augen. Sariel…

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Ja, wenn

Wenn du die ganze Welt umarmen willst,

Wenn du schreien und lachen und singen willst, bis dir der Hals weh tut,

Wenn selbst der traurigste Song dich nicht runterziehen will,

Wenn du kitschige Sonnenuntergänge plötzlich wunderschön findest,

Wenn du weinen möchtest, vor Glück und Trauer zugleich,

Wenn du weder Hunger noch Kälte verspürst,

Wenn du von einer Wolke aus, auf dich hinab siehst,

Wenn du nur noch an eines denken kannst,

dann weißt du, es ist Liebe.

22.11.07 16:26, kommentieren

Johanna und der Tod

Es gibt eine Geschichte, sie spielt in einem fremden Land, in einer fremden Zeit, erzählt von fremden Personen, mit fremden Worten, doch die Gefühle, die sie beschreibt, sind allen bekannt. Das hoffe ich jedenfalls, denn wer sie nicht kennt, wird diese Geschichte nicht verstehen können. Die Geschichte, die ich erzählen will, beginnt mit einem jungen Mädchen namens Marie. Sie war hübsch, zurückhaltend, anmutig, stets freundlich und hilfsbereit. Sie war all das, was ein Mädchen ausmachte. Und wie erwartet hatte sie mit vierzehn einen guten Mann. Er hieß Jakob. Er war ein mutiger Soldat, stolz, gut aussehend, jeder Zeit bereit sich für seinen König zu opfern. Ein Jahr lang lebten die beiden in Harmonie, Liebe kannten die Menschen nicht. Ihre Ehe verlief gut. Doch eines Tages musste Jakob in den Krieg, sollte für das Land kämpfen, für den König erobern und für seine Frau, für Marie, versprach er zu überleben. Als sie ihm dieses Versprechen abnahm, wusste er allerdings noch nicht, dass sie ein Kind erwartete. Ein Kind, das ohne Vater aufwachsen würde. Ein Kind, mit dem Namen Johanna. An dem Tag, an dem es geboren wurde, starb sein Vater. Und der Tod wurde zum ersten Mal auf sie aufmerksam. Johanna, dachte er, was für ein wunderschöner Name. Ganz so, als hätte ich ihn ihr gegeben. Der Tod war dabei, als sie geboren wurde, er hörte ihren ersten Schrei und er wusste, dass er noch nie ein schöneres Geräusch gehört hatte, als ihre Stimme. Johanna. Der Tod wollte dieses Kind nicht mehr alleine lassen, er wollte es zu sich holen, doch nein! Das konnte er nicht. Nicht in dieser Zeit. Nicht im Krieg, denn er wusste, dass dieses Kind den Frieden bringen musste. Geh!, sagte er zu ihr. Geh hinaus in diese Welt und kehre heim mit dem Frieden. So tat sie es. Johanna wuchs heran, wurde die Schönste. Sie wuchs weiter, wurde die Mutigste. Sie wurde erwachsen und war die Stolzeste. So zog sie aus in den Krieg, wie einst ihr Vater es gemacht hatte und ihre Mutter weinte nicht um ihre Tochter, sondern wegen der Schande die sie gebracht hatte. Johanna würde sterben, auch wenn sie noch so viel für ihr Land tat, sie würde sterben auf dem Scheiterhaufen, weil es Mädchen verboten war zu kämpfen. Marie war allein und in ihrer Einsamkeit beschloss sie ihrem Mann zu folgen, in den Tod. Johanna allerdings kämpfte, nicht mit Waffen, sie trug weder Schwert noch Pfeil und Bogen, nein, sie kämpfte mit Worten. Die Schlacht war schon im vollen Gange, als Johanna auf den Felsen trat, ins Licht er aufgehenden Sonne und rief: „Hört mich an! Beendet dieses Treiben! Was bringt euch der Schmerz? Was bringt euch der Krieg? Ihr alle, wollt doch leben, oder? Habt ihr nicht alle eine Frau und vielleicht auch Kinder zu Hause? Warum kämpft ihr dann noch?“ Ein Soldat antwortete ihr: „Weil es unser König befohlen hat.“ „Aber warum folgt ihr diesem Befehl? Ihr alle habt es verdient zu leben! Wenn euer König einen Krieg will, so soll er selber gegen seinen Feind kämpfen, meint ihr nicht auch?“ Die Soldaten stimmten zu und verzogen sich vom Schlachtfeld. Johanna jedoch blieb und wartete darauf, dass der Tod sein Versprechen halten würde. Und das tat er. Gegen Mittag kamen Soldaten um sie mit zu nehmen und sie hinzurichten, weil sie sich dem König widersetzt hatte. Johanna starb in den Flammen des Hasses und wurde aufgenommen vom Tod, in die Ewigkeit voller Liebe.  

9.11.07 21:22, kommentieren

Wunschliste

Ich wünscht ich wär´ die Spritze in deinem Arm

Ich wünscht ich wär´ das Gift in deinem Blut

Ich wünscht ich wär´ die Krankheit in deinem Körper

Ich wünscht ich wär´ das Kissen, dass dir den Atem raubt

Ich wünscht ich wär´ der Strick um deinen Hals

Ich wünscht, ich wär´ das Hochhaus, von dem du springst

Ich wünscht ich wär´ der Sensenmann, der dich holt,

Ich wünscht ich wär´ der Tod, den du stirbst.

 

Dies alles steht auf meiner Wunschliste, du bist es, die sie wahr machen kann.

17.10.07 21:29, kommentieren

Von einem Schutzengel

Du sahst mich lachen,

du sahst mich weinen.

Sag, wird die Sonne wieder scheinen?

Du sahst mich schweigen,

du sahst mich schreien.

Ich werde deine Seele weihen.

Du fühltest mein Blut,

du fühltest meine Schmerzen

Und du stopptest das Lied

von meinem Herzen.

Nun bin ich tot

und du denkst an mich.

Doch du bist nicht allein,

denn ich wache über dich.

Denn ich verspreche dir, an diesem Tag.

Ich werd bei dir sein, weil ich dich mag.

17.10.07 21:27, kommentieren

Du und ich

Sie verstanden meine Sehnsucht nicht,

nach einem anderen Ort,

doch als der Herbst kam sahen sie,

ich war gegangen, fort.

 

Sie kannten diese Angst von mir,

doch wussten nicht was in mit lebte,

sie wollten es verdrängen,

bis ich am Stricke schwebte.

 

Sie konnten es nicht fassen,

wollten es nicht glauben,

doch da sahen sie,

die Wut in meinen Augen.

 

Sie waren voller Emotionen,

und doch waren sie leer,

bei meinem toten Antlitz,

wurde das Herz ihnen allen schwer.

 

Sie vergossen keine Tränen,

um meinen schrecklich´ Tod,

doch ihre Herzen und ihr Geist,

waren in einer grausam´ Not.

 

Wenn ich nun schau,

vom Himmel auf sie,

weiß ich genau,

ich werd´ es nicht bedauern, nie!

 

Ich sag dir eins,

ich komm zurück,

du wirst meins,

mein ewig´ Glück.

 

Glaube diese Worte mir,

denn du und ich, ja, dass sind wir!

 

 

2 Kommentare 17.10.07 21:25, kommentieren

Der Held, die Welt und ich

Ich wünsch mir einen Helden,

der zu mir steht, in allen und garkeinen Welten,

der mich beschützt und liebt,

der mir nützt und mir Hoffnung gibt.

Ich wünsch mir einen Helden her,

der das Land kennt, wie das Meer,

der vom Mond bewacht mit Flammen spricht,

der mit Sternen lacht und schwimmt udn Gischt.

Nun wünsch ich keinen Helden her,

nun wünsch ich, ich wär der Held im Meer.

Nun wünsch ich, ich hätt Flügel,

so bezög ich keine Prügel.

Ich wär der, der die Ordnung bringt,

der mit schöner Stimme singt,

von Wundern, Hoffung, Träumen,

auch wenn meine stehen in leeren Räumen.

So würd ich das Leben leben,

das keinem Sterblichen gegeben.

So wär mein Leben nicht mehr leer,

nicht so grausam, nicht so schwer.

Sterben würd ich nie,

und wenn doch, dann sag mir wie!

Doch meine Freunde würden sterben!

In mein Gesicht ziehn sich tiefe Kerben.

Ich würd trauern, beten, leiden

und müsste auf der Erde bleiben.

Ein Held sein, das ist nichts für mich,

nichts für mich und nichts für dich.

Ich lass die Helden in den Comic-Waben

und sich an ihrem Leben laben.

Und immer wenn ich denk daran,

was ich als Held hätt nie getan,

bin ich froh, dass ich kein Held bin,

denn Superkräfte machen wenig Sinn,

in einer Welt regiert von Wut

wo keine Rolle spielt der Mut,

wo keine Rolle spielt die Liebem

als ob davon sehr viel bliebe,

bei all dem Hass,

bei all dem Krieg,

drum sag jeden Tag:

Ich hab dich Lieb!

17.10.07 21:22, kommentieren