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Johanna und der Tod

Es gibt eine Geschichte, sie spielt in einem fremden Land, in einer fremden Zeit, erzählt von fremden Personen, mit fremden Worten, doch die Gefühle, die sie beschreibt, sind allen bekannt. Das hoffe ich jedenfalls, denn wer sie nicht kennt, wird diese Geschichte nicht verstehen können. Die Geschichte, die ich erzählen will, beginnt mit einem jungen Mädchen namens Marie. Sie war hübsch, zurückhaltend, anmutig, stets freundlich und hilfsbereit. Sie war all das, was ein Mädchen ausmachte. Und wie erwartet hatte sie mit vierzehn einen guten Mann. Er hieß Jakob. Er war ein mutiger Soldat, stolz, gut aussehend, jeder Zeit bereit sich für seinen König zu opfern. Ein Jahr lang lebten die beiden in Harmonie, Liebe kannten die Menschen nicht. Ihre Ehe verlief gut. Doch eines Tages musste Jakob in den Krieg, sollte für das Land kämpfen, für den König erobern und für seine Frau, für Marie, versprach er zu überleben. Als sie ihm dieses Versprechen abnahm, wusste er allerdings noch nicht, dass sie ein Kind erwartete. Ein Kind, das ohne Vater aufwachsen würde. Ein Kind, mit dem Namen Johanna. An dem Tag, an dem es geboren wurde, starb sein Vater. Und der Tod wurde zum ersten Mal auf sie aufmerksam. Johanna, dachte er, was für ein wunderschöner Name. Ganz so, als hätte ich ihn ihr gegeben. Der Tod war dabei, als sie geboren wurde, er hörte ihren ersten Schrei und er wusste, dass er noch nie ein schöneres Geräusch gehört hatte, als ihre Stimme. Johanna. Der Tod wollte dieses Kind nicht mehr alleine lassen, er wollte es zu sich holen, doch nein! Das konnte er nicht. Nicht in dieser Zeit. Nicht im Krieg, denn er wusste, dass dieses Kind den Frieden bringen musste. Geh!, sagte er zu ihr. Geh hinaus in diese Welt und kehre heim mit dem Frieden. So tat sie es. Johanna wuchs heran, wurde die Schönste. Sie wuchs weiter, wurde die Mutigste. Sie wurde erwachsen und war die Stolzeste. So zog sie aus in den Krieg, wie einst ihr Vater es gemacht hatte und ihre Mutter weinte nicht um ihre Tochter, sondern wegen der Schande die sie gebracht hatte. Johanna würde sterben, auch wenn sie noch so viel für ihr Land tat, sie würde sterben auf dem Scheiterhaufen, weil es Mädchen verboten war zu kämpfen. Marie war allein und in ihrer Einsamkeit beschloss sie ihrem Mann zu folgen, in den Tod. Johanna allerdings kämpfte, nicht mit Waffen, sie trug weder Schwert noch Pfeil und Bogen, nein, sie kämpfte mit Worten. Die Schlacht war schon im vollen Gange, als Johanna auf den Felsen trat, ins Licht er aufgehenden Sonne und rief: „Hört mich an! Beendet dieses Treiben! Was bringt euch der Schmerz? Was bringt euch der Krieg? Ihr alle, wollt doch leben, oder? Habt ihr nicht alle eine Frau und vielleicht auch Kinder zu Hause? Warum kämpft ihr dann noch?“ Ein Soldat antwortete ihr: „Weil es unser König befohlen hat.“ „Aber warum folgt ihr diesem Befehl? Ihr alle habt es verdient zu leben! Wenn euer König einen Krieg will, so soll er selber gegen seinen Feind kämpfen, meint ihr nicht auch?“ Die Soldaten stimmten zu und verzogen sich vom Schlachtfeld. Johanna jedoch blieb und wartete darauf, dass der Tod sein Versprechen halten würde. Und das tat er. Gegen Mittag kamen Soldaten um sie mit zu nehmen und sie hinzurichten, weil sie sich dem König widersetzt hatte. Johanna starb in den Flammen des Hasses und wurde aufgenommen vom Tod, in die Ewigkeit voller Liebe.  

9.11.07 21:22, kommentieren

Ja, wenn

Wenn du die ganze Welt umarmen willst,

Wenn du schreien und lachen und singen willst, bis dir der Hals weh tut,

Wenn selbst der traurigste Song dich nicht runterziehen will,

Wenn du kitschige Sonnenuntergänge plötzlich wunderschön findest,

Wenn du weinen möchtest, vor Glück und Trauer zugleich,

Wenn du weder Hunger noch Kälte verspürst,

Wenn du von einer Wolke aus, auf dich hinab siehst,

Wenn du nur noch an eines denken kannst,

dann weißt du, es ist Liebe.

22.11.07 16:26, kommentieren